Wie Ihr wisst, durchstreift der Krähenkönig die Weiten des dunkel-musikalischen Universums. Nun führte ihn seine Reise am 01.02.2019 in den Cult Nürnberg, um den Klängen der Four Imaginary Boys - A The Cure Tribute Band zu lauschen. Das sind 4 Jungs aus Landshut, die sich in diesem Format der Ehrung von The Cure und ihrem großartigen Sänger Robert Smith verschrieben haben. Dabei sind: Martin Strasser (Gesang, Gitarre), Claudio Temporale (Bass, Gesang), Roberto Broch (Gitarre) und Florian Prantl (Schlagzeug). Florian dürfte einigen von Euch schon bekannt sein, spielte er doch vorher bei Oxic Inc

 

19:35 Uhr fand ich mich mitsamt Fotografin Karin Kahner (MK_Concert_Photos) im Cult ein, denn 20:00 Uhr sollte es los gehen. Wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich mit 10 bis 20 Leuten gerechnet. Weit gefehlt! Der Cult war voll! Etliche treue The Cure Anhänger hatten den Weg hierher gefunden, um die Vier zu sehen. Scheinen im Westen doch schon bereits eine gute Fanbase zu besitzen.

 

Mit einer leichten Verspätung fing es 20:10 Uhr endlich an und die Fläche vor der Bühne füllte sich gut bis hinten zur Treppe. Es wurde dunkel, leichtes Licht kam dazu und Florian betrat zusammen mit Roberto die Bühne. Nach und nach betraten auch Claudio und Martin die Bühne und Claudio bezog Stellung hinterm Keyboard. Feinste düster-elektronische Klänge, Schlagzeug, zwei Gitarren und Martins Gesang. Mehr brauchte es nicht, um mit dem Intro und dem Plainsong das Publikum zu fesseln. Ohne großartige Ansage und Pause ging es direkt weiter mit Fascination Street und At Night. Das Publikum bedankte sich dafür berauscht und begeistert. Man merkte dem Vierer auch einfach seine Spielfreude an. Claudio war mittlerweile mit seinem Bass beschäftigt. Martin ergriff zum ersten Mal das Wort, begrüßte das Publikum und bedankte sich für dessen Anwesenheit. Dann kündigte er das nächste Lied an. Eine Art Schlaflied. Charlotte sometimes. Eines der Lieder, die man von The Cure kennen MUSS. Claudio bewies zum ersten Mal auch sein Gesangstalent und im Duett mit Martin war es einfach nur herrlich. Danach verzauberte man mit Push und A Night like this. Letzteres wurde von Martin als sehr passend für diese Nacht beschrieben; man weiß ja nie, was da so alles passieren kann. Ab diesem Zeitpunkt folgte eine Reihe unsterblicher Klassiker, die Jeder der Anwesenden im Schlaf mitsingen kann und wenn man sie um 4:00 Uhr morgens weckt und nach eben jenen Titeln fragt, diese aus dem Gedächtnis vortragen können müssen! Den Anfang machte der Lovesong, den Martin als Liebeslied für alle anwesenden Pärchen ankündigte. Auch der nächste Klassiker Pictures of you wurde von Martin angekündigt mit den Worten, dass man manchmal nicht genau weiß, ob man sich jetzt nur in das Bild von Jemandem verliebt hat oder in die Person. Manchmal hat man aber auch einfach nur tolle Erinnerungsfotos von Jemandem auf dem Nachttisch oder im Geldbeutel. In der Reihe der Klassiker durften natürlich auch das überaus passende Friday I´m in Love und natürlich Just like Heaven nicht fehlen. Darauf folgten 100 Years, Apart und das wieder überaus passende Play for today, bevor Martin wieder eine Ansage machte, dass mit M nun sein absolutes Lieblingsstück von The Cure an der Reihe ist. Fire in Cairo gehörte zu den Liedern des Abends, die das Publikum zum Tanzen brachten. Primary, 3 imaginary Boys, 1015 Saturday Night, Killing an Arab und Jumping Someone Else´s Train taten ihr Übriges vorm ersten großen Finale. Das wurde durch The Figurehead eingeläutet. Hier bewies Florian an den Drums sein ganzes Können. Für mich eines der absoluten Highlights des Abends! Die Atmosphäre, die dieser Moment besaß, ist unbeschreiblich. Nach diesem bombastischen Moment verließen die Jungs vorerst die Bühne...

 

Um zum Zugabenblock noch mal wieder zu kommen! Hier wurde es noch mal kultig-gruftig, es wurde getanzt, die Musik alter Helden gefeiert und Jeder kam noch mal auf seine Kosten. Schließlich durften Lullaby, Inbetween Days und A Forest nicht fehlen. Die absolute Krönung, die Kirsche auf der Sahne, das grand de final - das konnte nix Geringeres als Boys don´t cry werden. Spätestens jetzt hielt es niemanden mehr und das Publikum feierte einen der größten Hits von Robert Smith und seiner Band The Cure, mit dem Martin und seine Jungs von Four Imaginary Boys die zufriedenen Anwesenden in die Nacht entließen.

 

Fazit: Es war ein durchaus gelungener Abend. Ich gebe zu, ich hatte Bedenken zu diesem Event. Zum einen befürchtete ich, dass Publikum fehlt. Zum anderen ist es ein wagemutiges Unterfangen, The Cure covern zu wollen. Besonders Robert Smith. Four Imaginary Boys sind dies Wagnis eingegangen und haben eine gute Show abgeliefert. Mir hat durchaus gefallen, was ich da hörte und kann The Cure Anhängern dies wirklich empfehlen. Martin macht gesanglich eine gute Figur und die Jungs haben wahre Freude an dem, was sie tun. Alle sind Meister an ihrem jeweiligen Instrument und auch wenn Martin nicht Robert Smith ist, ich finde seinen Gesang gut. Ich bin sehr begeistert, dass sie auch die langen Stücke von The Cure gespielt haben; ebenso die Mischung aus must play und vielleicht etwas weniger bekannten Stücken, schnell und langsam - hat mir gut gefallen. Und die Publikumsreaktionen waren mehr als eindeutig! Gerne wieder!

 

Biss bald und stay tuned wenn es wieder heißt: Krähenkönig on Tour!

 

 

Euer Krähenkönig    

AETERNITAS

 

„Eine Inspirationsquelle waren seine Werke allemal ...“

 

Mit House Of Usher legten AETERNITAS bereits ein monumentales Werk als Tribut an Edgar Allan Poe vor und huldigten ihm in besonderem Maße. Jetzt gibt es mit Tales Of The Grotesque im 19. Bandjahr nun quasi eine "Fortsetzung". Und die hat es in sich, wurde doch diesmal der Stil erneut fortgeführt und mit symphonisch-bombastischem Metal auf die bisherige Spitze getrieben! Die Thematiken wurden erneut aufgegriffen und die Werke von Poe wurden sich noch einmal vorgenommen. Ich sprach mit Gründungsmitglied und Allrounder Alex Hunzinger über das Vorab-Jubiläum, Hintergründe zum Album sowie über die Beweggründe zu den verwendeten Kurzgeschichten und Gedichten. Er hat uns auch verraten, dass nach der Umsetzung der Poe Story The Fall of the House of Usher klar war, dass da noch viele Geschichten waren, die super zur Band passen würden. Aber lest selbst.

 

Riccardo Oldenburg: Erstmal Glückwunsch zum 19.! Wie fühlt sich das an? Hättet ihr euch das jemals zu träumen gewagt?

Alex Hunzinger: Danke schön. Ich hatte eher unser 20-jähriges Bandjubiläum nächstes Jahr im Blick. Aber 19 Jahre sind ja auch schon eine lange Zeit und nur wenig Bands halten überhaupt solange durch. Wenn man anfängt Musik zu machen oder eine Band zu gründen, plant man natürlich nicht so weit in die Zukunft. Man lässt die Dinge geschehen oder verfolgt bestimmte Ziele, die aber meist nur den Horizont bis zum nächsten Album abdecken. Vielleicht haben wir dann im kommenden Jahr etwas Zeit für eine Retrospektive unseres bisherigen Schaffens.

 

RO: Kommen wir zum Album. Eine erneute Vertonung Poes. Er hätte Freudenstränen in den Augen! War er eine kleine Inspirationsquelle?

AH: Diese Einschätzung ehrt mich natürlich sehr. Ich habe versucht, mich sehr respektvoll den Werken Poes zu nähern und es freut mich, wenn man das im Ergebnis hören kann. Eine Inspirationsquelle waren seine Werke allemal, wie ja bereits bei dem Vorgängeralbum. Seine Geschichten sind zwar auch düster und gruselig, tragen aber vor allem auch universelle und zeitlose Ideen in sich, die immer aktuell sind und auch in heutigen Interpretationen noch wunderbar funktionieren und inspirieren.

 

RO: Wie habt ihr die jeweiligen Kurzgeschichten und Gedichte ausgewählt? Fiel die Auswahl schwer? Habt ihr persönliche Favoriten?

AH: Ich habe eine Vorauswahl der Kurzgeschichten und Gedichte getroffen, die ich grundsätzlich für geeignet hielt, sie mit unserer Musik zu vertonen. Aus dieser Liste habe ich mir beim Schreiben der Songs dann die passendsten Stücke heraus gesucht und versucht sie zu adaptieren. Das klappte bei einigen Vorlagen sehr einfach, bei anderen fiel es mir etwas schwerer den richtigen Zugang zu finden, um die Story in den Songs zu integrieren. Favoriten sind immer schwer zu benennen. Aber die beiden Songtexte von Dream In A Dream und Eldorado, die beide auf Gedichten von E.A. Poe basieren, würde ich da herausheben wollen. Bei ersterem kann man erkennen, dass sich Poe – wie auch andere Autoren bis hin zur Antike – immer wieder mit der Frage beschäftigte, ob unsere Welt real oder nur ein Traum ist. Oder – ganz modern ausgedrückt – ein Teil einer Matrix. Das ist eine sehr spannende und philosophische Frage, die wohl auch noch künftige Generationen beschäftigen wird. Eldorado dagegen beschreibt die Suche nach einem unerreichbaren und letztlich auch fiktiven Ort, was im übertragenen Sinne viele Menschen immer wieder in die Irre führt: Das Streben nach unrealistischen und auch bedeutungslosen Zielen, das sie davon abhält, ihr eigentliches Leben zu leben oder das wahre Glück zu erfahren.

 

www.aeternitas.info

Riccardo Oldenburg

 

Line-up:

Julia Marou – Gesang

Oliver Bachmann - Gesang

Alex Hunzinger - Gitarre, Growls, Backing Vocals

Anja Hunzinger - Keyboards

Daniel T. Lentz - Leadgitarre

Rick Corbett - Bass

 

Frank Mölk - Schlagzeug 

Atomic Neon

 

„... ein inoffizieller Tribut Song an Romy Schneider.“

 

Im 10. Jahr ihres Daseins als Band gibt es frisches Material von Atomic Neon. Ich sprach mit Sänger Rio Black über das neue Album, blaue Engel und den Tod.

 

Orkus: Euer neues Album trägt den Namen Remember Me. Verbindet ihr damit noch den schmerzlichen Verlust? Resultiert aus so einem Erlebnis auch die Frage: wer erinnert sich dann eigentlich noch an mich?

Rio Black: Ja und nein. Der Text ist eine Liebesgeschichte, es geht darum, dass jemand an seine frühere Freundin denkt und sich wünscht, dass diese sich auch so voller Liebe daran zurück erinnert! Es wurde aber auch zum Titel des Albums, weil wir das Gefühl hatten, dass unser letztes Album Down etwas untergegangen ist. Also erinnern: Atomic Neon sind noch da!

 

RO: Der Opener nennt sich Blue Angel. Also blauer Engel. Wie bist du auf blaue Engel gekommen? Was hat es mit ihnen auf sich? Gibt es nur den einen blauen Engel oder mehrere?

RB: Der Name Blue Angel hat keine tiefere Bedeutung. Robin Böhm stieß 2016 zur Band und sein erstes Instrumental Demo für Atomic Neon hieß Blue Angel, daraus entstand dieses Lied. Den Titel haben wir einfach behalten!

 

RO: Ein Lied auf dem neuen Album heißt Romy´s Death. Magst du uns darüber mehr erzählen? Ist da privates mit eingeflossen?

RB: Romy's Death ist ein inoffizieller Tribut Song an Romy Schneider. Der Text entstand nach einer Biografie, die ich gelesen hatte über sie. Eine wahnsinnige Story und wirklich schlimm, was man alles so erleben muss im Laufe seines Lebens, nicht nur Romy. Die Musik-Idee kam von unserem Schlagzeuger Friedi, der heimlich in die Sängerin von Skeletal Family verknallt ist, (Mist, verraten, lach), da hat er sich inspirieren lassen!

 

Orkus: Habt ihr ein Werk schaffen wollen, dass anderen vielleicht auch durch die schwere Phase eines Verlustes helfen könnte?

RB: Das kann jeder so nehmen, wie er es braucht. Wenn es hilft über etwas hinweg zu kommen, sehr gut! Wenn es nur Spaß macht, auch klasse! Irgendwie steckt ja jeder mal in einer Phase, in der er etwas braucht, das ihn stützt. Bei mir war es  immer die Musik. Wenn wir jemanden durch schwere Zeiten tragen können, dann ist das großartig!

 

www.atomic-neon.de

Riccardo Oldenburg

 

Line-up:

Rio Black - Gesang

Lars Kappeler - Gitarre

Robin Böhm - Gitarre

Sandy - Bass

Dani Dark - Keyboard

 

Friedi - Schlagzeug

L1MBUS

 

„Es ist ein großer Auftrag an uns alle. Es geht um hehre Ziele.“

 

Sie liefern derzeit sicher den explosivsten Cocktail an der Newcomer-Front: L1MBUS! Ich sprach mit ihnen über ihren außergewöhnlichen Namen, ihre breit gefächerte Anwendung von Genres, das interessante Cover Artwork und einiges mehr.

 

Riccardo Oldenburg: Hallo L1MBUS! Ihr habt einen sehr speziellen Namen. Wo kommt er her, hat er eine spezielle Bedeutung? Ist ja eine Form von Leetspeak nehme ich an.

S!NISTRY: Der „Limbus“ in seiner ursprünglichen Schreibweise steht für den Platz all jener Seelen, die ohne eigenes Verschulden vom sogenannten „Himmel“ ausgeschlossen sind. Dieses Thema fasziniert uns, stehen doch auch wir in der Tradition, für jene zu kämpfen, die sich mühen, hinausgeworfen aus dem „Paradies“ und hineingeboren in diese kaputte Welt, weiter für das Gute zu kämpfen. So haben wir diesen Namen aufgegriffen und ihn mit der ja bekannten 1 als Alleinstellungsmerkmal versehen, die auch noch einmal unsere Unverwechselbarkeit in Sound, Text und Grundhaltung verdeutlicht. L1MBUS darf als der „sichere Hafen“ für Jeden verstanden werden, der sich uns im Geiste anschließt.

 

RO: Soweit ich gelesen habe, seid ihr schon eine Weile aktiv. Wie kommt es, dass wir erst jetzt von euch hören? Das Debüt soll seit Juni 2016 da sein.

S!NISTRY: Nun, man bedenke zunächst, dass das Gesamtprojekt L1MBUS – von der Albumproduktion über Promo und Website bis hin zur Konzertorganisation – komplett in Eigenregie läuft. Wir machen also alles selbst. Alle Energie ging erst einmal in die Aufnahme – im Anschluss nahmen wir uns die Zeit, die nötig war, um diesem wichtigen Album der Neuzeit den Weg ans Licht der Welt zu ebnen. 

 

 

RO: Lass uns über das Debüt sprechen. Ich finde das Cover minimalistisch und dadurch faszinierend. Was möchtet ihr damit ausdrücken? Es lässt ja Interpretationsfreiraum.

S!NISTRY: Ja, wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, viel Raum für Interpretation zu lassen. Wir können ja nicht das selbstständige Denken übernehmen. Das liegt bei jedem Einzelnen. Und soll es auch so sein. Nur so kann man sich persönlich und geistig weiterentwickeln. Wir bereiten nur den Weg. Gegangen werden muss er selbst. Was das Cover angeht, so lässt sich im Hintergrund die Rune Laguz (Wasser, Welle) erkennen – sie soll dabei helfen, aus Schicksalsschlägen und Erfahrungen die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen. Hierbei muss die Parallele zum Zeitalter des Wassermanns gezogen werden – wir befinden uns im Fluss, der viele gesellschaftliche Veränderungen und Umbrüche mit sich bringt. Wir möchten unseren Teil zu einer positiven Richtung beitragen. Und dafür stehe ich als Kunstfigur S!NISTRY, der mit seiner Leidensgeschichte und der Beschreibung der Welt helfen möchte, den Menschen vom Dunkel ins Licht der Erkenntnis zu bringen.

 

RO: Das Album heißt Die Heilung. In unserer aktuellen Zeit ein vorzüglicher Titel! Was würdet ihr sagen: was wäre unsere Heilung? Wenn ihr etwas heilen könntet, was würde das konkret sein?

JOE BENNETT: Erst einmal wäre es notwendig, die von uns genannten Krankheiten als solche anzuerkennen, was heute nicht per se der Fall ist. Damit wären wir schon mal einen großen Schritt weiter.

Der Weg zur Heilung ist also erst einmal die Auseinandersetzung mit den Themen, die einen bewegen, begeistern oder auch abstoßen. Man kann vielleicht die Welt nicht immer im Großen ändern, aber man kann seinen Teil dazu beitragen, dass Veränderung geschieht. Wir erheben nicht den moralischen Zeigefinger, sondern erzählen die Welt aus der Sicht von S!NISTRY, dem gefallenen Engel, der auf die Welt kam und von dieser erzählt. Ein Wesen, das kein Mensch ist, aber das Verhalten der Menschen beobachtet und davon berichtet.

S!NISTRY: Ich sehe diese Welt. Sehe Freud, Leid und Vieles mehr. Und möchte mit meinen Erzählungen letztendlich zu konstruktiven Lösungsansätzen motivieren. Wie diese umgesetzt werden, steht jedem Menschen frei. Doch es muss aus der ehrlichen, inneren Motivation heraus geschehen. Denn ich bejahe und respektiere das Leben. Das des Menschen ebenso wie das des Tieres. Darum muss ich tun, was ich tun muss. Es ist ein großer Auftrag an uns alle. Es geht um hehre Ziele.

 

RO: Wie man bereits beim Anhören feststellt, mischt ihr sehr viele Genres miteinander. Und es macht euch ja durchaus einzigartig. Was waren eure Beweggründe? Ich nehme an ihr seid selber Fans der verwendeten Stile.

S!NISTRY: Jeder von uns hat in seinem bisherigen Leben verschiedene Musikstile durchlebt – diese nehmen definitiv Einfluss auf unsere Musik. Grundsätzlich lassen wir uns frei leiten und wenn wir uns eines Stils bedienen, der bisher noch nicht aufgegriffen wurde und die Atmosphäre schafft, die wir in einem Song haben wollen, dann lassen wir uns darauf ein. Denn so vielschichtig wie unsere Themen sind, so ist auch unser Musikstil. Es beginnt dann eine Art „L1MBUS – Umformungsprozess“, der alle Songs und Stilelemente am Ende zu einem L1MBUS – Werk mit seinem unverwechselbaren Sound macht.

 

RO: Des Weiteren stellt man schnell fest, dass ihr knallhart ehrlich seid und die Wahrheit entsprechend lautstark verbreitet. Ist es euch wichtig, dass mehrere Leute wieder auf diesen Zug aufspringen? Immerhin seid ihr ja sehr angefressen von der Bestie Mensch!

S!NISTRY / JOE BENNETT: Letztendlich sollte sich jeder kritisch denkende Mensch die Frage stellen: „Möchte ich die Welt, so wie sie ist, an meine Kinder weitergeben?“ Wer diese Frage für sich mit einem Nein beantwortet, der kommt an den Punkt, an dem er die Augen nicht mehr verschließen kann. Denn wer sich verantwortlich für seine Umwelt fühlt, kommt jetzt in die Situation, sich zu positionieren. Wir halten es für durchaus legitim, darauf hinzuweisen, dass eben nicht alles „normal“ ist, nur weil wir es schon so gewohnt sind. Diesem schleichenden Verlust der Menschlichkeit setzten wir die Auseinandersetzung mit dem Menschsein und den Kampf mit sich selbst entgegen. Dazu gehören natürlich auch Themen wie Emotionen, Ängste, Wut oder Traurigkeit. Letztendlich müssen wir erkennen, dass wir alle miteinander verbunden sind und all unsere Handlungen wieder auf uns zurückfallen. Denn alles kommt zurück.

 

RO: Gibt es aktuell etwas, das euch am meisten anfrisst in der Gesellschaft? Und was wäre euer Lösungsvorschlag?

S!NISTRY: Wir unterbreiten generell keine Lösungsvorschläge. Wir geben lediglich Impulse, die dazu anregen sollen, selbst Lösungen zu entwerfen. Jeder Mensch, der mit dem Herzen sieht, wird für sich selbst die Dinge erkennen, die in die falsche Richtung laufen. Und vielleicht können wir mit unserer Kunst einen Teil zum Entwerfen von Lösungen beitragen. Oder zumindest dazu, den kritischen Blick zu schärfen. Denn es ist bei Weitem nicht alles Gold, was glänzt. 

 

 

RO: Ihr habt euer Album in Kapitel aufgeteilt. Wie wichtig war euch das? Seht ihr euch da auch ein wenig in der Rolle eines Autors?

S!NISTRY: Es ist unschwer zu erkennen, dass man es mit Die Heilung mit einem Konzeptalbum zu tun hat. Und ja – es war uns in der Tat wichtig, dieses in die drei Kapitel Feuer, Asche und Licht aufzuteilen. Das Album darf als Selbstheilungsmaßnahme begriffen werden, die in drei Stadien abläuft: Beginnend mit dem alles zerstörenden Feuer, das den katastrophalen Ist-Zustand unserer Welt beschreibt. Über die Asche, die übrig bleibt und Dünger für das Heranwachsen des Neuen ist. Bis hin zum Licht, das zum Wachsen unentbehrlich ist und für die Vision einer besseren Welt steht. Diese Stadien müssen beim Hören durchlaufen werden, damit ein Prozess der Heilung entstehen kann. Betrachtet man dann noch, wie diese Gedanken in der L1MBUS - Kunst verarbeitet und präsentiert werden, so kann man uns schon in der Rolle eines Autors sehen.

 

RO: Wenn wir gerade dabei sind. Habt ihr Lieblingsautoren? Und Favoriten-Themenbereiche? Ich nehme an, ihr seid auch Fans des gedruckten Wortes und zieht ein schönes Buch einem E-Book vor!

S!NISTRY: Ich denke, die Band und ihre Mitglieder sind schon immer Freund des Wortes und der Schrift gewesen, folglich auch des Buches und es fällt schwer, nun einen einzelnen Titel oder Autor herauszugreifen. Die Themenbereiche sind mannigfaltig und setzen sich nicht selten mit der Psyche des Menschen im gesellschaftlich-sozialen Kontext auseinander.

 

RO: Da das Album in Kapitel aufgeteilt ist. Würdet ihr eure Story auch in einem Buch herausbringen? Gibt es da vielleicht gewisse Parallelen?

S!NISTRY: In der Tat ist es so, dass die Geschichte, die wir erzählen, auch als Buch verfasst werden könnte. Sie würde vom gefallenen Engel S!NISTRY handeln, der in diese kranke Welt geworfen wurde, um von ihr zu berichten. Und um aufzurütteln. Quasi der Till Eulenspiegel der Neuzeit. Und in der Neuzeit ist es fünf vor zwölf.

 

RO: Abschließend die Frage: Was hält das Jahr 2018 für euch noch bereit? Habt ihr Pläne, die ihr uns verraten wollt?

S!NISTRY: Aktuell planen wir gemeinsam mit unserem Videoproduzenten das Video zu Vergissmeinnicht, welches voraussichtlich im Sommer diesen Jahres erscheinen wird. Des Weiteren befinden sind wir uns auch in Koordination unserer Live-Shows für dieses Jahr. An dieser Stelle einen Gruß an die Konzertveranstalter – wir freuen uns stets über Anfragen! 

 

 

www.l1mbus.bandcamp.com

Riccardo Oldenburg

 

Line-up:

S!NISTRY - Gesang, Keyboard

JOE BENNETT - Gitarre, Bass

 

THE MACHINE - Schlagzeug

Moby

 

„… statt das Paradies zu schaffen, haben wir die Hölle erschaffen.“

„… ein Gefühl der Verbundenheit.“

 

Seit 23 Jahren beglückt Moby mit seiner ganz eigenen Art der elektronischen Musik so manche treue Fan-Seele. Anlässlich des brandneuen Albums Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt telefonierte ich mit ihm. Ich entlockte ihm unter anderem einige Geheimnisse zum interessanten Cover-Artwork, zu seiner Person und zur Bestie Mensch. So viel sei schon verraten: Es wird philosophisch ...

 

Riccardo Oldenburg: 1995 erschien dein allererstes Album. Wir schreiben also das 23. Jahr Moby. 23 Jahre! Hast du das kommen sehen?

Moby: Nein. Ich meine, ich bin mit einer Punkrockband aufgewachsen in den Achtzigern, mit der ich gespielt habe, und in den Neunzigern wurde ich in die elektronische Musikwelt involviert. Ursprünglich dachte ich, ich würde mein Leben als Philosophie-Professor an der Universität verbringen. Und ich dachte, ich würde mein Leben damit verbringen, an Musik zu arbeiten, die keiner je hören würde. Und so habe ich nie erwartet, einen Plattenvertrag zu bekommen. Ich habe nie erwartet, Platten aufzunehmen. Ich habe nie erwartet, Musik zu machen, die sich jemand anhört. So war die komplette Sache eine wirkliche Überraschung.

 

RO: Kürzlich hast du auf Facebook gepostet, dass du in den Siebzigern, als du noch zur Schule gegangen bist, dachtest, dass wir – wenn wir das Jahr 2000 überhaupt erreichen – sicher im Weltraum leben würden. Wie denkst du heute darüber?

M: Das ist interessant. Ich bin 52 Jahre alt und ich erinnere mich daran, in der Grundschule gewesen zu sein, das war Mitte der Siebziger. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Jahr 2000 je passieren würde. Es schien so weit weg … Was wirklich lustig ist: dass das Jahr 2000 schon 18 Jahre her ist! Eines der merkwürdigsten Dinge, wenn du älter wirst, ist, dass Zeit oder Daten, die so futuristisch schienen, jetzt in der entfernten Vergangenheit liegen. Und die Welt ist ganz anders und viel seltsamer, als irgendjemand vorhergesehen hat. Ich glaube, dass wir bis 2018 eine bessere Vorstellung davon hatten, was wir tun würden und wir würden vielleicht aufhören, so viele dumme Fehler zu machen. Aber es scheint, als wären die dummen Probleme viel hartnäckiger, als wir gedacht haben.

 

RO: Interessanter Gedanke. Wie geht es dir eigentlich mit dem Älterwerden?

M: Es macht mir nichts aus, älter zu werden, denn soweit ich das in den letzten vier Milliarden Jahren sagen kann, ist jede Kreatur, die auf diesem Planeten geboren wurde, älter geworden. Und ich eben auch! Ich denke also, dass Älterwerden mich stören würde, wenn ich der Einzige wäre, der davon betroffen wäre. Wenn alle auf diesem Planeten jung und schön wären und sie für immer jung und schön bleiben würden, würde ich vielleicht das Gefühl haben, dass es ein bisschen unfair ist, dass ich älter werde. Aber Älterwerden betrifft alle! Und das zu bekämpfen ist wirklich albern! Das Kämpfen gegen das Altern ist so etwas wie der Kampf gegen die Schwerkraft!

 

RO: Ja, das ist wahr ... 2016 erschien These Systems Are Failing. Wie viel Zeit dieser Pause hast du in das neue Album investiert? Ich habe gelesen, du hast sogar mit einem Orchester gearbeitet?

Moby: (überlegt kurz) Ich arbeite ständig an Musik, weil ich das gerne mache, egal ob ich sie veröffentliche oder ob sie überhaupt jemand zu hören bekommt. Für mich ist ein Album einfach die Möglichkeit, Musik zu veröffentlichen, in der Hoffnung, dass die Leute es hören werden. Ich habe nicht mit einem Orchester gearbeitet, aber ich werde es. Das heißt: Das nächste Album, an dem ich arbeiten werde, ist ein akustisches, orchestrales Album und im Oktober gebe ich ein Konzert mit dem Los Angeles Philharmonic. Da werde ich das erste Mal mit einem Orchester arbeiten.

 

RO: In der Walt Disney Concert Hall, wow! – Hast Du manchmal das Gefühl, du hast alles erreicht? Oder gibt es etwas, das du noch erreichen möchtest?

M: Ich meine, die vielen Dinge, die ich gerne tun würde und viele Dinge, die ich gerne erreichen würde. Ich denke nicht an sie. In gewisser Weise denke ich nicht, dass ich „Karriere gemacht“ habe. Ich denke, ich selbst bin wirklich glücklich, dass ich Zeit mit der Arbeit an Musik verbringen und manchmal auch für Leute spielen kann. Mein Ziel bei der Musik ist einfach zu versuchen, Musik zu schaffen, die schön und interessant erscheint. Und ich weiß nicht, ob ich das jemals werde, ich weiß nicht, ob ich das tue, aber das ist das Ziel. Jedes Mal, wenn ich in meinem Studio sitze. Oder wenn ich versuche, einen Song zu schreiben oder Musik zu machen. Dann versuche ich etwas Schönes zu erschaffen, das die Leute irgendwie erreichen wird. Aber ich sehe das nicht als professionell oder meinen Job an. Es ist einfach etwas, das ich gerne mache.

 

RO: Ja, das ist auch die Art und Weise, wie ich meine Arbeit mache. Ich denke, dass deine Musik viele Menschen auf einer sehr tiefen Ebene erreicht. Sprechen wir über das neue Album: Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt. Was hat dich dazu inspiriert?

M: Der Titel stammt von einem Kurt Vonnegut-Buch mit dem Titel Schlachthof fünf oder Der Kinderkreuzzug. Er ist einer meiner Lieblings-Schriftsteller. Besonders als ich aufwuchs, liebte ich ihn sehr. Was ich am Titel besonders mag, ist, dass er so einfach und utopisch ist. Was mich wirklich frustriert ist, dass die Menschheit bis vor hundert Jahren mit Problemen konfrontiert war, die sie nicht kontrollieren konnte. Aber wir haben einen Weg gefunden, um diese Probleme zu lösen und statt das Paradies zu schaffen, haben wir die Hölle erschaffen! Wir haben herausgefunden, wie wir uns selbst ernähren können, wir haben herausgefunden, wie man sich im Winter wärmt und wirklich: die letzten Jahre hätten Utopia sein sollen! Es hätte ein Paradies sein sollen! Und alles, was wir getan haben, ist, die Sache noch schlimmer zu machen! Ich hoffe wirklich, dass wir für unsere Spezies und für jede andere Spezies auf diesem Planeten einen Weg finden, die Dinge nicht noch mehr zu verschlimmern. Wir alle wissen, was zu tun ist. Wir alle wissen, dass wir aufhören sollten, Erdöl zu verwenden. Wir sollten aufhören, Tiere als Nahrung zu verwerten. Wir sollten aufhören, Antibiotika zu verwenden, die wir nicht brauchen. Wir sollten aufhören, Chemikalien in die Umwelt zu kippen. Wir sollten aufhören, die Regenwälder abzuholzen. Wir sollten aufhören, mehr Geld für unsere Streitkräfte auszugeben und das eher in die Bildung investieren. – Wir wissen, was zu tun ist, aus irgendeinem Grund tun wir es nicht. Ich wollte, dass der Titel irgendwie das Paradies widerspiegelt, das uns zur Verfügung steht, wenn wir uns nur entschließen, es zu wählen.

 

RO: Ich erinnere mich an die Zeilen des Refrains eines Songs von einem anderen Künstler und ich denke, vor dem Hintergrund, was du gerade sagtest, ist es wichtig, sich dieser Zeilen zu erinnern: Dort heißt es: „Wir sind längst im Paradies, haben die Hölle draus gemacht.“ (ASP Ich bin ein wahrer Satan). Würdest du sagen, dass das Cover-Artwork der Hintergrund dessen ist, was du eben erzählt hast?

M: Ja, das ist es: Wir müssen die Dinge nicht zerstören. Wir müssen nichts töten. Wir müssen kein Leid schaffen. Aber wir machen das. Und ich möchte nichts anderes als unsere Spezies entwickeln. In gewisser Weise wissen wir nicht immer, was am besten zu tun wäre. Aber wir kennen bestimmt das Schlimmste, das wir tun können ... Und die Frage ist: Warum machen wir weiterhin das Schlimmste?

 

RO: Oh ja ...

M: Das ist wie bei einem Arzt. Der Arzt weiß vielleicht nicht sofort, was das Beste ist. Aber er weiß, wie man das Schlimmste aufhält. … (kurze Pause) Und stell dir vor: jedes Mal, wenn du zum Arzt gehst, schlägt er dir ins Gesicht. Und das ist genau das, was wir als Spezies tun! (beide lachen) Es ist doch so: Wir entscheiden uns für die schlimmsten Dinge, die wir tun können, obwohl wir sogar wissen, dass es die schlimmsten Dinge sind, die wir tun werden ...

 

RO: Ist das der Grund, warum die Leute auf dem Coverbild Masken tragen?

M: Oh, das sind keine Masken! Das sind Kühe in der U-Bahn.

 

RO: Großartig! Guter Gedanke! Um welche Sonnen geht es im Track The Waste Of Suns? Vielleicht sogar die eigene Sonne in einem selbst?

M: Der Titel bedeutet, dass wir diese Gelegenheit bekommen haben. Wir haben Leben und wir haben Wärme und wir haben Wasser. Wir haben einen Planeten. Und wir ruinieren ihn. Es ist also die Idee, dass wir so viel mehr tun könnten, um die Dinge besser zu machen. Stattdessen verschwenden wir alles. Das ist die simple Bedeutung des Titels.

 

RO: Der Opener des Albums heißt Mere Anarchy. Was kannst du zum textlichen Hintergrund verraten?

M: Oh, das ist ein Zitat aus dem Gedicht The Second Coming von Yeats. Das war ein irischer Poet, 19. bis 20. Jahrhundert. Die Idee ist, dass wir in einer Welt leben, die eine Katastrophe ist. Aber wir sind daran gewöhnt. Wir wachen jeden Tag auf und wir bekommen mehr Informationen darüber, dass die Welt komplett auseinander fällt. Aber die Menschen gehen einfach ihrem Tag nach! Obwohl sie wissen, dass die Welt auseinander fällt. Das „mere“ geht dann noch einen Schritt weiter: es beschreibt den Zustand einer Apokalypse, einer Katastrophe. Aber das wird fast abgeschwächt durch den Fakt, dass wir uns jeden Tag damit beschäftigen.

 

RO: Like a Motherless Child ist das erste Video und die erste Single des Albums. Warum hast du dich für dieses Lied entschieden?

M: Der Text und der Refrain sind sehr, sehr alt, weit über 150 Jahre. Und die Idee ist, dass ... es ist schwer zu erklären, aber Menschen existieren in einem Zustand der Isolation. Wir sind abgeschottet vom objektiven Wissen über das Universum und wir sind getrennt vom Göttlichen und wir wandern umher wie mutterlose Kinder. Da ist also dieses zentrale Thema aus Verwirrung und Traurigkeit der Menschheit. Und das ist es, was der Titel und der Text vermutlich andeuten.

 

RO: Das ist ein großartiger Hintergrund. Die wunderschöne weibliche Stimme, die in dem Song zu hören ist, gehört Raquel Rodriguez. Singt sie auch in anderen Tracks mit?

M: Nein, das einzige Lied, das sie singt, ist Like a Motherless Child und ich stimme dir zu, sie hat eine wunderschöne Stimme. Es ist eine gute Frage, warum ich sie nicht auf anderen Songs singen lasse. Um ehrlich zu sein: ich weiß es nicht. Aber wenn man sich durch das Album hört, gibt es viele Frauen, die auf der Platte singen und ich denke, dass sie alle wunderschöne Stimmen haben. Ich denke, ich habe das Glück, mit diesen Frauen und den wunderschönen Stimmen arbeiten zu dürfen.

 

RO: Wenn wir uns die Tracklist anschauen, liest es sich ein bisschen melancholisch und traurig. Aber du scheinst eine positive Person zu sein. Ist da auch einige Melancholie in dir oder würdest du sagen, du bist eher positiv eingestellt?

M: Hm. Diese Frage ist schwierig zu beantworten … Die einzige Möglichkeit, wie ich das beantworten kann, ist, dass es beides ist. Weißt du, es gibt viele Gründe, melancholisch zu sein, pessimistisch zu sein. Aber es gibt auch viele Gründe, optimistisch zu sein. Und ich denke, ich mache mir mehr Sorgen, wenn ich sehe, was für ein Potenzial die Leute haben und ich möchte nicht, dass wir das verlieren. Ich möchte nicht, dass wir uns die Fähigkeit ruinieren ... zu existieren. Glücklich zu leben. Gesunde Leben zu führen. Unsere Ressourcen zu erkunden. Das Universum zu erforschen. Ich will nicht, dass unsere dummen Fehler uns davon abhalten, unser Potenzial zu erkennen. Ich bin optimistisch in Bezug auf unser Potenzial und pessimistisch in Bezug auf unsere Fähigkeit, das umzusetzen.

 

RO: Ich denke, das ist der beste Weg, das zu tun, was wir tun. Das neue Album ist eine große Traumreise, es ist sehr spirituell, die Songs vermitteln viel Gefühl und Tiefsinn. Es gibt so viele Situationen, in denen Menschen Musik hören. Würdest du sagen, dass es eine Situation gibt, in der du möchtest, dass die Leute deine neue CD hören? Irgendeine spezielle vielleicht?

M: Ich meine ehrlich, ich bin nur geschmeichelt und glücklich, wenn jemand sich die Zeit nimmt, etwas anzuhören, das ich gemacht habe. So hoffe ich, dass sich das jemand anhört. Und ich hoffe, ich verschwende nicht ihre Zeit. Ich hoffe, ich gebe ihnen etwas, mit dem sie sich verbinden können. Etwas, das ihnen eine emotionale Reaktion entlockt, etwas, womit sie sich weniger alleine fühlen. Es ist wie ein Gefühl der Verbundenheit. In der Welt, in der wir leben, fühlen wir uns oft isoliert und alleine. Und manchmal durch Musik, Kunst oder Literatur fühlen wir uns an das erinnert, was sonst noch in der Welt vor sich geht. Und es erinnert uns an den schöneren Teil der menschlichen Erfahrung. Meine Hoffnung besteht also einfach nur darin, dass ich diese Dinge irgendwie reflektiere und etwas in die Welt bringe, mit dem jemand eine Verbindung eingehen kann.

 

www.moby.com

 

Riccardo Oldenburg

Cypecore Folgestory

 

... das blinde Wiederholen von Gelesenem verschafft einem noch lange keine Kenntnisse!

 

Wie versprochen geht es in der Folgestory zum großen Interview mit den Sci-Fi-Metallern Cypecore aus Mannheim dieses mal um Sinnkrisen, den angesprochenen Justizfall, das Zehnjährige und einige mehr interessante Sachen, die Ihr so sicher noch nicht von den Jungs wusstet!

 

Riccardo Oldenburg: Dominic, schön dass ihr euch noch mal die Zeit nehmt. Im März geht es ja auch endlich mit der Tour los. Am 01.03. in Frankfurt ist das erste der bisher acht bestätigten Konzerte. Steigt die Aufregung, der Nervositätspegel? Wie laufen die Vorbereitungen?

Dominic Christoph: Nervosität würde ich es nicht nennen, eher Vorfreude und die ist bei uns allen sehr groß. Wir stecken Hals über Kopf in den letzten Zügen der Vorbereitung und können es kaum erwarten, auf die Straße zu kommen!

 

RO: Eine Frage wurde mir beim letzten Mal noch nicht so recht beantwortet. Da muss ich noch mal nach haken. Inwieweit ist eure Musik, sind deine Texte Realität und was nur Fiktion? Immerhin beherbergt gerade The Alliance einige Sachen, die darauf hindeuten, dass euch / dir da einiges in der aktuellen Zeit sehr missfällt würde ich als Hörer schlussfolgern.

DC: Ich bin als Autor der Meinung, dass ein gutes Werk zwar eine Richtung verfolgt, jedoch jedem persönlichen Interpretationsfreiraum lässt. Von daher verbinden sich all meine Werke natürlich irgendwo (manche mehr, andere weniger) mit realen Ereignissen oder Erfahrungen, jedoch auch einigen rhetorischen Elementen, die meiner Fantasie entspringen. Und um es mal konkret zu machen, ja, es misfallen mir / uns viele Dinge, die uns aktuell betreffen.

 

RO: Nehmen wir beispielsweise die Dissatisfactory her. Frei übersetzt also die "Nichtbefriedigungsfabrik". Was ist in eurem Sinne eine solche Fabrik? Was ist in unserem aktuellen System, vielleicht im aktuellen Stadtbild, eine solche Fabrik? Was möchtet ihr damit ausdrücken?

DC: Der ursprüngliche Gedanke war das alte Sprichwort : „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Prinzipiell ein sehr schönes, weises Sprichwort, welches nur im Zuge der Entwicklung der heutigen Zeit immer weniger realistisch zu sein scheint. Anregung dafür ist eine Erfahrung mit schweren Depressionen und mit der Tatsache, dass man sich schnell in einem endlosen Trott aus Verpflichtungen wieder findet, ohne die Möglichkeit an seiner Glückseeligkeit zu arbeiten.

Ich würde mir wünschen, die Menschen könnten sich wieder mehr auf die Dinge konzentrieren, die meiner Meinung nach zählen und weniger auf den Wert der Zahl, die am Monatsende auf ihrer Gehaltsabrechnung steht.

 

RO: Reject the Stream sagt zum Beispiel ganz direkt heraus: Lehne den Stream ab! Hängt das mit Werbung zusammen? Bezieht es sich auf die Multimedia-Sucht der heutigen Generation?

DC: Mit dem „Stream“ meinten wir tatsächlich den Strom an Interessen/Meinungen, dem heutzutage mehr und mehr Menschen blind zu folgen scheinen. Ich gebe zu, dass es mit der Masse der Themen, zu denen man zumindest ein bisschen informiert sein sollte, schwer ist, sich zu allem eine eigene Meinung zu bilden, aber das blinde Wiederholen von Gelesenem verschafft einem noch lange keine Kenntnisse!

Der Song ist viel mehr ein Aufruf, sich nicht so leicht von jedem „Trend“ mitreißen zu lassen, ohne jenen erstmal objektiv zu beleuchten, sofern es einem möglich ist.

 

RO: Sollte man sich aus eurer Sicht vielleicht sogar ein wenig erheben? Für seine Rechte einstehen?

DC: Oh absolut!

 

RO: Passend dazu. Du erzähltest im letzten Interview von einem an der Stelle ungegannten Justizfall. Magst du uns darüber vielleicht mehr erzählen? Wir, die Leser und ich sind da ja neugierig geworden!

DC: Prinzipiell möchte ich an dieser Stelle nicht konkreter werden, aber ein System, in dem es Kriminellen möglich ist, aus einem Opfer einen Täter zu machen, wenn der richtige Anwalt die richtige Summe erhält, ist schlicht und ergreifend paradox! Das Wort Gerechtigkeit darf meiner Meinung nach keine „leere Versprechung“ sein.

 

RO: Du hast auch erzählt, dass du schon einige sehr unschöne Zeiten hinter dir hast. Solche Momente treffen einen ja sehr. Es ist schön, dass es dir wieder besser geht. Magst du uns etwas über die schwere Zeit erzählen?

DC: Möglicherweise kann ich diese Frage zu gegebener Zeit besser beantworten, aber derzeit liegt der Fokus definitiv auf den positiven Ereignissen, die unmittelbar bevorstehen. Nämlich die Veröffentlichung der neuen Platte und die dazugehörige Tournee.

 

RO: Kannst du etwas empfehlen, dass man in diesen schweren Zeiten tun kann? 

DC: Ich würde es nicht wagen, mit meinem bescheidenen Horizont den Löser aller Probleme zu symbolisieren. Jedermann muss leider seinen persönlichen Weg finden, eine schwere Zeit zu überwinden.

 

RO: Ihr habt Zehnjähriges. Zehn Jahre sind eine gute Resonanz für eine Band. Gibt es Sachen, die euch da besonders im Gedächtnis geblieben sind? Was hättet ihr gerne bisher gemacht, was aber noch nicht umsetzbar war zum Beispiel?

DC: Die absoluten Highlights müssen auf jeden Fall die großen Festivals gewesen sein! Ohne den Support eines Labels auf den Bühnen des W:O:A, Summerbreeze, With Full Force und dem Rockharz spielen zu dürfen ist ein wahr gewordener Traum! Nun wäre es an der Zeit, international an solche Erfolge anzuknüpfen. Ein weiterer großer Traum der Band wäre ein Auftritt auf dem französischen Hellfest.

 

RO: Gibt es Träume, die ihr euch noch mit Cypecore erfüllen wollt? Mit einem Musikerhelden auf Tour gehen beispielsweise?

DC: Zu viele, um hier allen gerecht zu werden, aber um mal die Größten zu nennen: Eine Tour als Support für Gojira, Slipknot, In Flames oder Lamb of God wäre für uns alle eine riesen Sache!

 

RO: Könntet ihr euch vielleicht sogar vorstellen, selber mal eine Sci-Fi Story direkt zu schreiben? Oder würdest du deine Texte her nehmen und ein Buch veröffentlichen? Vielleicht sogar in einem Sci-Fi Streifen mitspielen?

DC: Mit Sicherheit schwirrt dieser Plan irgendwo im Hinterkopf herum, allerdings liegt unser Hauptaugenmerk nach wie vor erstmal auf der Musik. Was die Zukunft bringt, wird die Zeit uns zeigen.

 

RO: Gibt es vielleicht sogar etwas, was ihr mit Cypecore lieber anders, besser gemacht hättet? Oder vertretet ihr den Standpunkt: was geschehen ist, ist geschehen und hätte auch nicht anders passieren sollen?

DC: Alles in der Vergangenheit hat uns zu dem gemacht, was wir heut sind und darauf sind wir sehr stolz. Jeder Fehler ermöglicht es zu wachsen und nur so kommt man voran. Ich würde um nichts in der Welt irgendetwas in der Geschichte der Band verändern wollen!

 

RO: Eure Optik war im letzten Interview auch ein Thema. Seid ihr selber auf die Idee mit den Outfits gekommen? Designed ihr sie selber oder zeichnet sie jemand für euch?

DC: Wir haben die Outfits selbst entworfen. Hintergrund dafür war die in unserem Sci-Fi-Szenario herrschende Strahlenbelastung, die durch die Exosuits bekämpft werden soll und uns so am Leben erhält.

 

RO: Ich kann mir auch vorstellen, dass die Outfits recht schwer werden während eines Gigs. Schwitzt ihr sehr darunter? Aus welchen Materialien sind denn die Outfits? Schränken sie den Bewegungsradius auf der Bühne ein?

DC: Die Outifts sind von uns praxistauglich konzipiert und stören uns nicht im Ausüben unserer Bühnentätigkeit. Und jede Band, die eine energiegeladene Show liefert, schwitzt auf der Bühne, da unterscheiden wir uns abgesehen von der Optik nicht von anderen Bands.

 

RO: In Anlehnung an eine weiter oben gestellte Frage: Könntet ihr euch vorstellen, dass euch Fans auf eurer Social Media Plattform kleine Geschichte schreiben? Die ihr in eure vielleicht einfließen lasst?

DC: Wir wären definitiv nicht abgeneigt.

 

RO: Würdet ihr gerne mal eure Sci-Fi Helden in einem Album, einem Song, einem Text verewigen?

DC: Gute Frage, ich persönlich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, da ich finde, dass mir andere Themen wichtiger sind, aber pauschal ausschlagen möchte ich die Idee nicht.

 

RO: Ihr werdet zu den innovativsten Bands aus dem deutschen Metal-Raum gezählt. In gewisser Weise seid ihr da ja auch einzigartig durch euren Sound, die Optik, den Hintergrund. Seht ihr das auch so? Wie steht ihr selbst dazu?

DC: Zuerst einmal möchte ich dem Urheber dieses Statements meinen Dank aussprechen, denn es bedeutet uns sehr viel, eine derartige Wertschätzung zu erfahren.

Solch einem Ruf gerecht zu werden scheint eine große Aufgabe zu sein, aber ich persönlich denke, dass wir ihn uns erarbeitet haben und ihn mit Stolz annehmen sollten.

 

 RO: Hättet ihr vielleicht sogar mal Lust auf ein paar Klangexperimente in naher / ferner Zukunft? Etwas den Horizont erweitern? Oder bleibt ihr eurem Stil jetzt so treu wie er ist?

DC: Ich kann zu diesem Zeitpunkt keine Prognose abgeben, aber ich bin mir sicher, dass wir uns weiterentwickeln werden und dennoch einen Sound produzieren werden, der eindeutig nach Cypecore / Sci-Fi-Metal klingen wird!

 

RO: Abschließend: Mittlerweile ist ja das Jahr 2018 angebrochen. Gibt es neben der laufenden Tour noch weitere Pläne, die ihr uns nennen könnt?

DC: Wir möchten in 2018 weitere internationale Grenzen erschließen und arbeiten hart, um diese Ziel zu erreichen.

 

www.cypecore.com

Riccardo Oldenburg

 

Line-up:

Dominic Christoph – Gesang

Nils „Nelson“ Lesser – E-Gitarre

Jay Marsman – E-Gitarre

 

Cypecore

 

In der Tat war die Optik der Film zur Musik.

 

Sie gehören sicher zu den innovativsten Metal-Bands aus deutschem Raum: Cypecore aus Mannheim! Ich habe sie inmitten des Trubels um ihr neues Album für ein ausführliches Interview erreicht und sprach mit Sänger Dominic Christoph über Allianzen, ihr Jubiläum, Science Fiction und einiges mehr.

 

Riccardo Oldenburg: Wie geht es euch denn aktuell bei all der Aufregung?

Dominic Christoph: Im Frühjahr kommt ja unser neues Album The Alliance raus. Ein Album zu schreiben und zu recorden ist eine enorme Aufgabe, die viel Kreativität und Herzblut erfordert. Ich bin aber sicher, dass sich der Aufwand gelohnt hat! Erste Resonanzen, die wir erhalten, sind bereits gut und das Ding ist endlich im Kasten. Wir arbeiten aktuell an der Umsetzung spezieller Videoideen und bereiten schon unsere Tour vor. Wir sind froh, wenn es endlich losgehen kann.

 

RO: Wie seid ihr auf Science Fiction Metal gekommen? Mögt ihr solche Musik selber? Was ist denn Sci-Fi Metal überhaupt?

DC: Prinzipiell ist der Sci-Fi-Metal eine Eigenkreation, mit der wir vor einigen Jahren begonnen haben. Da wir allesamt riesen Sci-Fi-Fans sind und wir mit dem Konzept zur Musik auch einen Namen dafür gesucht haben, nannten wir es kurzentschlossen, und wie wir finden passenderweise, Sci-Fi-Metal. Musikalisch bewegt sich das Ganze grob zwischen Melodic Death Metal, Industrial und Metalcore.

 

RO: Das erste, was an euch auffällt, ist eure Optik. Basiert darauf auch der Bandname?

DC: In der Tat war die Optik der „Film zur Musik“ wie wir uns überlegt hatten. Der Bandname entstand allerdings schon Jahre zuvor und hat sich als Zufallsprodukt im Kopf unseres Nils Lesser gebildet.

 

RO: Das neue Werk heißt The Alliance. Gerade in diesen Zeiten ein guter, starker, passender Albumtitel. Wieso die Allianz? Und warum gerade jetzt bei Cypecore?

DC: Nun ja, als Band kann man nur so stark sein wie die Leute, die einem Rückhalt geben. Diesen Gedanken manifestieren wir in diesem Album und danken unseren Fans und Mitstreitern. Mittlerweile haben wir Fans, die aus Skandinavien, Island, Australien, Japan oder Osteuropa anreisen um uns live zu sehen, was ziemlich überwältigend für uns ist. Sie haben uns bis hierhin die Treue gehalten, aber gleichzeitig öffnen wir unseren Kreis all denen unseren, die neu hinzukommen möchten. Gemeinsamkeit durch Musik, ganz gleich welcherlei Herkunft/Religion/Gesellschaft jemand entspringen mag.

 

RO: Findet ihr eine Allianz besser als unabhängig agierende allein stehende kluge Köpfe? Sollten die sich eventuell sogar zusammen tun? Was meint ihr?

DC: Wir lassen als Künstler jedem Individuum die Möglichkeit, diese Antwort mit sich selbst auszumachen. Wie schon gesagt einen wir die Allianz um uns herum, deren Zweck möchten wir allerdings nicht bestimmen. Jeder soll aus freien Stücken und seinen eigenen Gründen Teil werden und sein.

 

RO: Auf dem Album findet sich ein Lied namens Dreamsmasher. Was hat es damit auf sich? Und was kann aus eurer Sicht Träume zerstören?

DC: Besagten Song hatte ich geschrieben, als mir grundlegende Zweifel an meiner Art und Weise zu leben wiederfahren sind. Ich denke, ich verarbeite darin mein Scheitern in der Vergangenheit und versuche Leuten in ähnlichen Situationen Inspiration zu spenden. Träume zerstören sich meiner Meinung nach durch Zweifel, Misserfolge, mangelnde Disziplin und die fehlende Fähigkeit, an seinen Fehlern zu wachsen.

 

RO: Wenn man sich die Tracklist anschaut, merkt man, dass das Album sehr düster geworden ist. Fast schon zukunftsweisend. Teilweise auch recht aktuell. War euch das wichtig? Seht ihr es als beides: Fiktion und Realität?

DC: Da die Titelgebung überwiegend durch meine Textarbeit geschieht, könnte man das so sehen. Allerdings habe ich beim Schreiben kein gesondertes Augenmerk darauf gelegt, möglichst düster oder bedrohlich zu wirken. Jeder Song beschreibt viel mehr einen Geisteszustand, der mich zum Zeitpunkt des Schreibens erfüllt hat.

 

RO: Besonders passend, als Aushängeschild, ist der Track The Voice Of Conviction. Quasi die Stimme der Überzeugung. Ist das die Stimme des Helden? Gibt es überhaupt einen indirekten Helden in eurer Geschichte?

DC: Genannter spezieller Track war ursprünglich entstanden, als ich durch einen hier ungenannten Justizfall meine Zweifel an unserem Rechtssystem hatte beschäftigte mich mit der generellen Frage, ob Recht nun wirklich gerecht ist. Conviction ist in diesem Falle also tatsächlich eher juristisch zu verstehen und nicht etwa als eine Art drohende Stimme der Überzeugung.

 

RO: Was genau würde die Stimme der Überzeugung denn mitteilen wollen? Habt ihr eine spezielle Überzeugung?

DC: Wenn wir eine generelle Überzeugung formulieren müssten, sähe sie vermutlich so aus: Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, zu sein wer er sein möchte.

 

RO: 2017 stand im Zeichen des Zehnjährigen. Wurde das schon intern gefeiert und wenn wie? Feiert ihr mit den Fans jetzt nach?

DC: Grundsätzlich ist The Alliance ein Grundstein, der eine neue Ära einläutet. Wir haben all die Erfahrungen und Eindrücke der Vorjahre frequentiert, Line-up-Wechsel durchlebt und das Konzept entwickelt, von dem wir heute sprechen: Cypecore – Science-Fiction-Metal.

 

RO: Anlässlich des Jubiläums: War das ein Grund für den Albumnamen? Machen zehn Jahre eine Allianz aus? Und vielleicht deswegen genau zehn Titel auf der CD?

DC: Die Zehn ist in dem Fall tatsächlich ein Zufall und der Albumtitel schien uns einfach wie oben erwähnt passend, da wir in den letzten Jahren doch herangewachsen sind. In schweren Zeiten kann der Zusammenhalt Berge versetzen und genau diese Kernidee soll den Leuten näher gebracht werden.

 

RO: Eure Auftritte werden als „military operations“ bezeichnet, also Militäroperationen. Liegt das nur am Bühnenoutfit? Was erwartet einen bei so einem Auftritt vor dem Hintergrund?

DC: Gezielt militärisch soll das heutzutage nicht wirken. Die Idee dahinter ist, dass in einem Endzeitszenario, in dem wir uns fiktiv ja befinden, nur mit Strategie und Disziplin überlebt werden kann. Daher kamen die militärischen Elemente in die Sprache auf unseren Social Media Plattformen. Jedoch ist keiner von uns militant oder befürwortet gar kriegerische Handlungen.

 

RO: Würdet ihr vielleicht so weit gehen, euch als Sci-Fi Nerds zu bezeichnen? Ihr seid immerhin auch leidenschaftliche Gamer!

DC: Könnte man so sagen, da wir alle irgendwie schon immer von Science Fiction Filmen und Literatur begeistert waren. Star Wars hat mit Sicherheit die Pfade geebnet, aber auch die Alien Reihe, das komplette Fallout Universum und Warhammer 40K sind für alle stets große Aufhänger gewesen. Was das Gaming betrifft, sind wir alle grundverschieden, dennoch aktiv. Allerdings ist die große Gemeinsamkeit doch das Musikmachen und die steht sowieso weiter vorne auf der Liste.

 

RO: Es ist zumindest auffällig, dass ihr Sci-Fi an sich ja sehr mögt. Habt ihr an Filmen, Autoren sonst irgendwelche Favoriten? Vielleicht sogar Vorbilder, Idole? Oder basiert einiges vielleicht sogar auf der Grundlage einiger Games, die ihr diesbezüglich schon gespielt habt?

DC: Zu viele, um hier ins Detail zu gehen. Aber ja, haben wir.

 

 

www.cypecore.com

Riccardo Oldenburg

 

Line-up:

Dominic Christoph – Gesang

Nils „Nelson“ Lesser – E-Gitarre

Jay Marsman – E-Gitarre